Eine Artistin des Chinesischen Nationalcircus trägt Kerzenleuchter mit brennenden Kerzen auf Händen und Füssen gleichzeitig.

The Great Wall

Chinesischer Nationalcircus

Die Artisten des Chinesischen Nationalcircus jonglieren mit Tellern.

Chinesischer Nationalcircus

The Great Wall

Die chinesischen Artisten des Nationalcircus bilden eine Pyramide.

The Great Wall

Ein circensisches Ereignis dargeboten vom Chinesischen Nationalcircus.

Brücken zwischen Kulturen bauen 

Im Februar gastiert der Chinesische Nationalcircus wieder in Altötting. Produzent Raoul Schoregge ist mit dem Reich der Mitte seit 29 Jahren verbunden. Er selbst entwickelt die Shows und tritt auch selbst als Clown auf. In „Drei Frage“ steht der 49-jährige Rede und Antwort.

Dieses Gespräch führte Uli Kaiser im Auftrag des KULTUR+KONGRESS FORUM ALTÖTTING.

 

Herr Schoregge, welche Ideen stecken hinter der Show?

Raoul Schoregge: Mir ist es ein großes Anliegen, Einblicke in die chinesische Kultur geben zu können. Das riesige Land vereinigt 56 Nationen und viele Philosophien. Dabei ist es wichtig, dass wir die Herzen der Zuschauer erreichen und nicht nur zeigen, was unsere tolle Truppe alles kann. Es geht darum, die Menschen mitzunehmen, sie zu faszinieren und staunen zu lassen.

Wie bauen sie die Brücke zwischen diesen unterschiedlichen Kulturen?

Raoul Schoregge: Einerseits greife ich in jeder Show bestimmte Aspekte auf. Ich hatte bereits den Buddhismus und den Taoismus als Thema. In diesem Jahr bringe ich unseren Gästen die Faszination der Chinesischen Mauer näher. Sie fungierte nicht nur als Grenze, sondern auch als Übermittlerin von Botschaften. Die Menschen auf den Türmen verständigten sich mit Feuerzeichen. So wurde eine Botschaft in Windeseile verbreitet. In unseren Breiten dauert es damals vergleichsweise noch ewig, weil die Depeschen durch Reiter überbracht wurden.

Geschichten sind der eine Brückenpfeiler, die Musik der andere. Warum?

Raoul Schoregge: Musik ist ein verbindendes Element, das die Herzen wunderbar erreicht. Die Aufgabe besteht darin, die chinesischen Klänge für europäische Ohren hörbar werden zu lassen. Wenn wir mit den traditionellen Instrumenten auftreten würden, hätten die Zuschauer wirklich Probleme, das auszuhalten, weil diese Musik unseren Hörgewohnheiten ganz und gar nicht entspricht. Ich hatte während meiner Reisen auch mal das Glück, den großen Pianisten Lang Lang zu treffen. Er hat eine CD produziert, die diesen Spagat auf beeindruckende und sehr angenehme Weise schafft.

Die international Rolle des Clowns

Im Februar gastiert der Chinesische Nationalcircus wieder im Forum. Die Show präsentiert faszinierende chinesische Akrobatik. Der Mann im Clownskostüm ist zugleich auch der kreative Kopf hinter der Idee, die seit 29 Jahren Menschen in ihren Bann zieht. Raoul Schoregge hat ein feines Händchen dafür, zwei gänzlich unterschiedliche Kulturen miteinander zu verbinden: „Es ist immer wichtig, dass wir mit unserer Kunst die Herzen der Menschen erreichen. Wir erzählen Geschichten. Diesmal steht die Chinesische Mauer im Mittelpunkt. Der Clown fungiert dabei immer als Bindeglied zwischen den Kulturen.“

Der Nordrheinwestfale hat eine enge Verbindung zum Reich der Mitte aufgebaut. Die Freude am chinesischen Zirkus entwickelte sich von rund drei Jahrzehnten. „Als ich mit der Schule fertig war, wollte ich zur Freude meiner Eltern unbedingt Clown werden. Ich traf auf André Heller, der die chinesischen Akrobaten damals nach Europa brachte.“ Der junge Clown wollte nicht nur unterhalten, sondern auch organisieren. So blickte der heutige Erfolgsproduzent schon beim großen Österreicher hinter die Kulissen und führte die Idee auch später fort. Im nächsten Jahr feiern die Shows des Chinesischen Nationalcircus ihren 30. Geburtstag.

Eine Artistin des Chinesischen Nationalcircus trägt Kerzenleuchter mit brennenden Kerzen auf Händen und Füssen gleichzeitig.

 

 

Ins Zentrum bringen

Heller liess die Meister ihres Faches noch im Zirkuszelt auftreten. Schoregge transferierte die Produktionen in die Theater der Städte: „Früher gastierte der Zirkus immer in zentralen Orten. Heute sind alle Zirkus-Aufführungen nur noch am Stadtrand zu finden. Darüber sollte man durchaus nachdenken. Der chinesische Zirkus hat seine Heimat aber in der Mitte der Gesellschaft und damit selbstverständlich in den Städten. Deshalb sind Theater oder solche Hallen wie in Altötting die richtigen Orte.“ Die Akrobatik, die 12 Meister auf der Bühne präsentieren, entwickelte sich historisch gesehen in den Teehäusern. Sie sind die Orte, an denen sich die Chinesen treffen und miteinander ins Gespräch kommen. Das ist vergleichbar mit unseren traditionellen Wirthäusern oder Biergärten. „Irgendwann begannen die Akrobaten die Gäste mit ihren Künsten zu unterhalten. Dies geschah meist in einem kleinen Eck, nur mit ihren Körpern und den Dingen, die direkt greifbar waren.“

Champions League der Akrobaten

Raoul selbst fand stets schnell eine gute Verbindung zu den zirzensischen Künstlern, weil er aufgrund seines Berufes quasi Mitglied einer internationalen Familie ist. Mittlerweile reist der 49-jährige regelmäßig nach China. Dort recherchiert für die Geschichten seiner Shows, die jedes Jahr in einem neuen Gewand daherkommen. Auf seinen Reisen durch das Reich der Mitte sucht der Deutsche nach neuen Akrobaten. Das ist eine große Aufgabe. In China ist diese Form der Akrobatik weit verbreitet. Es gibt rund 1.000 Gruppen Darunter spielen etwa 50 in der Champions League. Jedes Jahr gesellen sich neue Akrobaten zu Schoregges Kernteam. Die Künstler sind schon lange mit an Bord: „Das sind Freunde, die eine besondere Verbindung zu Europa haben. Manche haben sich hier beispielsweise verliebt. Manche sind echt Outlaws, die mit gewissen Vorgaben ihres Heimatlandes nicht mehr viel gemein haben.“

Die chinesischen Artisten des Nationalcircus bilden eine Pyramide.

Humor und Lieder für die Herzen

Insbesondere den Neuen gilt es die lockerere westliche Kultur näherzubringen. Ein wesentlicher Punkt ist, dass auch Fehler gemacht werden dürfen. Kritische Anmerkungen, die der Verbesserung dienen, müssen so verpackt werden, dass niemand „das Gesicht verliert“. Dies ist ein wichtiger Grundsatz in der chinesischen Kultur. „Wir unternehmen viel miteinander, damit der Teamgeist gestärkt wird. Jeder ist für jeden da“, sagt Schoregge. So entsteht auch die Aura, die die Gruppe mit dem Publikum verschmelzen lässt. Raoul selbst sorgt mit zwei wichtigen Bausteinen dafür, dass die Show auch die Herzen der Zuschauer erreicht. Er übersetzt die traditionelle chinesische Musik so, dass sie auch für europäische Ohren gut klingt. „Das ist sehr wichtig, weil sie sonst nach kurzer Zeit keiner Zuschauer mehr aushalten würde. Wir hören einfach ganz andere Musik“, sagt der 49-Jährige. Außerdem handelt er nach einem internationalen Motto: „Beginne die Show mit Musik und beende sie mit einem Gag.“

Dieses Gespräch führte Uli Kaiser im November 2018 Auftrag des KULTUR+KONGRESS FORUM ALTÖTTING.

Die chinesischen Artisten des Nationalcircus bilden eine Pyramide.
Die Artisten des Chinesischen Nationalcircus jonglieren mit Tellern.