Die Mitwirkenden der Veranstaltung Brettl Spitzen auf einem Gruppenbild.

Brettl-Spitzen

Der lange Atem des Jürgen Kirner

Der lange Atem des Jürgen Kirner

Heute sind die Brettl-Spitzen der Couplet AG ein absoluter Renner. Das Quartett um Kabarettist, Autor und Moderator Jürgen Kirner wird auf allen Bühnen gefeiert. Die Gruppe ist mittlerweile zum erfolgreichsten Ensemble im Bereich Volksgesang aufgestiegen. Jürgen Kirner hat einen langen Atem bewiesen – bereits vor 26 Jahren legte der Oberpfälzer die Grundlagen dazu.

Damals gründete er die Couplet AG. Der Name steht für die Kunst, satirische oder politische Lieder mit Kehrreim und in bayerischer Mundart zu singen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte dieser Volksgesang seine Blütezeit. Namen wie Weiß Ferdl oder Karl Valentin zergehen Kennern wie Schokolade auf der Zunge. Gleiches gilt für die etwas jüngere Generation um die Volksschauspieler Maxl Graf und Ernie Singerl.

DER EINSAME RUFER

„Schon von Jugend auf hatte ich den Wunsch, dem Volksgesang eine mediale Bühne zu geben“, erzählt Jürgen Kirner. Lange Zeit wurde der heute 59-jährige belächelt: „Niemand konnte sich vorstellen, dass diese Musik noch jemanden interessieren würde.“ Der sympathische Autor der „Brettl-Spitzen“ wusste trotz seiner ungebrochenen Begeisterung für dieses Genre, dass auch in diesem nicht alles Gold ist, was glänzt: „Als der Volksgesang seinen großen Aufschwung nahm, gab es auch viele Darbietungen, die nicht gut waren oder unter die Gürtellinie gingen.“ Der Volksgesang war damals nicht nur in den Großstädten populär, sondern auch auf dem Land. Dort ging es erheblich rauer zur Sache.

AUS EINS MACH VIER

So kam es, dass viele Lieder sehr derb und künstlerisch wenig feinfühlig waren. Trotzdem gründete Jürgen Kirner, beseelt von der Wiederbelebung des Volksgesangs, die Couplet AG. So steht das Kürzel "AG" in der Couplet dann auch für den Zusatz „Arterhaltungs-Gesellschaft“. Die Keimzelle des Brettl-Spitzen-Erfolges besteht neben dem geistigen Vater noch aus Bernie Filser, der Mühldorferin Bianca Bachmann und Bernhard Gruber.

Vor neun Jahren kam der Bayerische Rundfunk erstmals auf die Idee, die Brettl-Spitzen ins Programm zu nehmen. Der Erfolg war beachtlich. Das Quartett, das von bekannten und jungen Kabarettisten verstärkt wird, hatte einen Nerv getroffen. „Besonders die Jungen waren total begeistert“, erinnert sich Jürgen Kirner.

 

Im Vorfeld einer Produktion entwickelt der Couplet-Vater die Texte, die dann später von seinen Kollegen in Melodien gepackt werden. Neben dem TV-Aufzeichnung geben die Künstler viele Gastspiele. Und auch der Bayerische Rundfunk ist beeindruckt vom Erfolg. Demnächst werden pro Jahr vier Folgen statt einer ausgestrahlt. „Wir bieten gelebte Lebensfreude“ meint Jürgen Kirner schmunzelnd.

 

 

Das Gespräch führte Uli Kaiser im September 2019 im Auftrag des KULTUR+KONGRESS FORUM ALTÖTTING.